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Schutz und Ansteckung

Kondome beim Analverkehr schützen vor HIV und senken das Risiko einer Ansteckung mit einer anderen sexuell übertragbaren Krankheit, z.B. Hepatitis oder Syphilis. Safer Sex heißt darüber hinaus, beim Oralverkehr darauf zu achten, dass kein Sperma in den Mund, auf Schleimhäute oder in die Augen gelangt. Beim Drogengebrauch ist wichtig, nur das eigene sterile Spritzbesteck und Zubehör zu verwenden.
Im Folgenden bieten wir dir ausführliche Informationen zu Safer Sex und zu Kondomen, zu Safer Use, zur Frage "Was ist, wenn es mit dem Schutz mal nicht geklappt hat?" und zum Thema "Impfung".

Safer Sex:

  • Analverkehr
  • Hier ist das Risiko besonders groß, sich mit HIV und anderen Krankheitserregern anzustecken. Der After ist stark durchblutet, seine Schleimhäute sind sehr leicht verwundbar.
    Auch der "aktive" Partner - also derjenige, der seinen Penis einführt - kann angesteckt werden: Die empfindliche Eichel und der Harnröhrenausgang können mit Erregern in Kontakt kommen.
    Kondome, zusammen mit einem fettfreien Gleitmittel, bieten beim Analverkehr guten Schutz.
  • Oralverkehr
    Zum "Blasen": Das Stimulieren des Penis mit Mund oder Zunge gilt als risikoarm, solange kein Blut im Spiel ist. Wichtig ist: kein Sperma in den Mund, auf Wunden, auf die Schleimhäute oder in die Augen gelangen lassen. Wenn dennoch Sperma in den Mund gelangt, nicht schlucken, sondern möglichst schnell ausspucken und Mund ausspülen, am besten mit Alkohol. Ist Sperma in die Augen gelangt, diese möglichst schnell mit Wasser ausspülen. Wer ganz sichergehen will, benutzt beim Blasen ein Kondom. Es schützt außerdem vor Mund-Tripper.
    Eindringen mit den Fingern...
    ... in den After ist risikoarm, auch bei nicht intakter Haut (auf kurzgeschnittene Fingernägel achten!).
  • Fisting
    Bei dieser Praktik ist das Risiko gering, solange es nicht zum Blut-Blut- oder Blut-Schleimhautkontakt kommt. Schutz bieten Latexhandschuhe (auf kurzgeschnittene Fingernägel achten!). Wenn man fetthaltige Gleitmittel (z.B. Crisco) verwendet, ist Analverkehr nach dem Fisten riskant ist, weil Fett die üblichen Kondome beschädigt, sodass sie nicht mehr schützen.
  • S/M (Sado-Maso)
    Was HIV angeht, ist S/M risikolos - vorausgesetzt, es gibt keine Wunden, in die Blut oder Sperma gelangen kann, und Blut oder Sperma gelangen nicht in die Augen, auf Schleimhäute oder in den Mund. Auch die "Werkzeuge" sind sicher, solange kein Blut im Spiel ist. Werden sie auch bei/von anderen benutzt, sollten sie vor dem Weiterreichen gründlich mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  • Sex mit Sexspielzeugen
    Was HIV angeht, sind Dildos, Vibratoren und andere Toys sicher, wenn sie nur von/bei derselben Person benutzt werden. Werden sie von/bei anderen verwendet, zieht man ihnen zuvor jeweils ein neues Kondom über oder wäscht sie sorgfältig mit Wasser und Seife.
  • Andere Praktiken
    Praktiken mit Urin ("Golden Shower") und Kot (Scat) wie auch das Lecken des Anus (Rimming) sind unbedenklich, was HIV angeht (solange kein Blut im Spiel ist). Man kann sich dabei allerdings mit anderen Krankheitserregern anstecken, z.B. Hepatitis-Viren. Gegen Hepatitis A und B kann man sich impfen lassen.
    Küssen - auch tief und ausgiebig -, gegenseitige Masturbation und Massage, sich aneinander reiben und dergleichen: Diese Praktiken bergen kein HIV-Risiko, solange kein Blut oder Sperma in den Mund, die Augen, auf Schleimhäute oder auf Wunden gelangt.
  • Vaginalverkehr
    Zum Risiko der Frau: Über die empfindlichen Scheidenwände kann HIV leicht in die Blutbahn eindringen. Das Risiko, sich anzustecken, ist besonders groß, wenn im Genitalbereich schon eine andere Infektion vorliegt, ebenso während der Monatsblutung.
    Zum Risiko des Mannes: Infektiöse Scheidenflüssigkeit kann über die Schleimhäute des Penis zur Ansteckung führen; diese haben häufig sehr kleine, nicht spürbare Verletzungen. Während der Monatsblutung ist das Infektionsrisiko wegen des Kontakts mit Blut größer.
    HIV ist leichter vom Mann auf die Frau übertragbar als umgekehrt. Für beide besteht aber ein Risiko.
    Schutz beim Vaginalverkehr bieten Kondome, ggf. zusammen mit fettfreiem Gleitmittel.
    Das Herausziehen des Penis kurz vor dem Samenerguss ist keine geeignete Methode, um sich vor HIV zu schützen.


Kondome & Co.


Was wird wofür benutzt?

  • Analverkehr:
    Normale Kondome reichen (zusammen mit genügend fettfreiem Gleitmittel!) vollkommen aus. Man kann aber auch extra starke und reißfeste nehmen, wenn man sich damit sicherer fühlt. Auf keinen Fall aber zwei Kondome übereinander ziehen - durch die starke Reibung können sie leicht zerstört werden!
    Ausreichend Gleitmittel verwenden!
  • Oralverkehr:
    Jede Art von Kondomen ist geeignet, auch dünnere.
  • Lecken des Anus:
    wahlweise Dental Dam (Latextuch) oder aufgeschnittenes Kondom (vor allem zum Schutz vor anderen sexuell übertragbaren Krankheiten wie Hepatitis, Tripper, Syphilis usw.)
  • Bei Verwendung von Sexspielzeug, z.B. Dildos und Vibratoren:
    Ein Kondom ist nur nötig, wenn die Toys von verschiedenen Sexpartnern oder nacheinander werden. In diesem Fall vor jedem Wechsel ein neues Kondom drüberrollen oder vor der Weitergabe gründlich mit heißem Wasser und Seife reinigen.

Extra große Kondome (Kondomgrößen L, XL, XXL):
extra große Kondome nur benutzen, wenn sie wirklich benötigt werden (sonst rutschen sie ab).

Leuchtkondome und andere Scherzartikel:
Solche Kondome sind nicht mit "ok" gekennzeichnet, sondern tragen den Aufdruck "Scherz-/Stimulationsartikel - nicht zur Verhütung geeignet!" Auch zum Schutz vor HIV sind diese Kondome nicht verwendbar!

Kondome aus Schafsdarm:
nicht verwenden: Sie sind durchlässig für Bakterien und Viren!

Was tun bei Allergien?
Zuerst vom Facharzt abklären lassen, wogegen sich die Allergie richtet. Wenn die Ursache erkannt ist, auf andere Produkte wechseln.


Allergie gegen Latex: Kondome aus Polyurethan benutzen

Allergie gegen Inhaltsstoffe und Produktionsrückstände von Kondomen: hypo-allergene Kondome benutzen. Sie sind weitestgehend frei von allergieauslösenden Bestandteilen.

Allergie gegen Inhaltsstoffe von Gleitmitteln: Gleitmittelmarke wechseln

Wo bekommt man Kondome & Co.?
Die größte Auswahl an Kondomen bieten Kondomfachgeschäfte und gut sortierte Sex-Shops. Aber natürlich gibt es sie auch in Apotheken, Kaufhäusern und Drogerien. Kondome kann man ebenso über den Versandhandel beziehen.
Dental Dams, Latexhandschuhe und Fingerlinge bekommt man meist nur in Apotheken. Latexhandschuhe gibt's auch in Drogerien.
Gleitmittel sind über Kondomfachgeschäfte, gut sortierte Sex-Shops, über den Versandhandel und bisweilen auch in Apotheken erhältlich.


Gleitmittel - welche?
Nur fettfreie, für diesen Zweck bestimmte Substanzen verwenden!
Auf keinen Fall öl- oder fetthaltige Substanzen wie Nivea, Vaseline, Speiseöle und Bratfette!

Wie benutzt man das Kondom?

  • Die (unbeschädigte!) Verpackung vorsichtig aufreißen, am besten mit den Fingern. Kondom nicht durch spitze oder scharfe Gegenstände (Schere, Messer, Schmuck usw.) oder durch Fingernägel und Zähne beschädigen!
    Wichtig ist, das Kondom bereits vor dem ersten Eindringen zu benutzen.
  • Vorhaut zurückziehen und das Kondom gleichmäßig über den steifen Penis ganznach unten abrollen. Dabei das Kondom an der Spitze etwa 1-2 cm mit den Fingern zusammendrücken, um genügend Platz für das Sperma zu lassen. Darauf achten, dass das Kondom nicht durch Fingernägel beschädigt wird.
  • Niemals zwei Kondome übereinander verwenden! Sie scheuern gegeneinander und rutschen leichter ab.
  • Beim Analverkehr reichlich fettfreies Gleitgel auf das Gummi geben und auch den Anus des Partners damit schmieren.
  • Vor jedem (erneuten) Eindringen kurz mit der Hand überprüfen, ob das Kondom noch richtig sitzt.
  • Nach dem Samenerguss Penis und Kondom zusammen aus Vagina oder Anus herausziehen, solange der Penis noch steif ist (damit der Gummi nicht abrutscht!). Dabei das Kondom am Gummiring festhalten.

Zur Sicherheit

  • Kondome so aufbewahren, dass sie vor Reibung, Druck, Hitze, scharfen und spitzen Gegenständen geschützt sind.
  • Kondom-Folierung nicht mit Messer, Schere oder anderen scharfkantigen Gegenständen öffnen.
  • Kondome kühl und trocken lagern.
  • Achtung bei brüchigen und rissigen Fingernägeln!
  • Starke Haarstoppeln nach Intimrasuren können dem Kondom schaden.
  • Auf jeden Fall Qualitätskondome
  • Beim Kondomkauf immer auf eine unbeschädigte Verpackung achten. Die Packungen sind mit einem Haltbarkeitsdatum versehen. Wenn es abgelaufen ist, Kondome nicht mehr benutzen.
  • Bei Fernreisen empfiehlt sich die Mitnahme eines Kondomvorrats. In manchen Ländern entsprechen die dort erhältlichen Kondome nicht immer den EU-Qualitätsstandards.

Risiken beim Spritzen

Sie sind da, auch wenn man sie nicht sieht: Bakterien, Pilze und Viren - wie HIV und Hepatitis-Viren. Sie befinden sich z.B. in Blutresten in gebrauchten Spritzen oder Nadeln, in gebrauchten Filtern, auf schmutzigen Löffeln und so weiter.

Needle-Sharing

Am gefährlichsten ist das Needle-Sharing, wenn also Nadel und/oder Spritze von mehreren benutzt werden. Über Bluteiweiß-Reste, die man mit bloßem Auge oft nicht mehr erkennen kann, können Viren, Bakterien und Pilze in die Blutbahn gelangen und z.B. Schüttelfröste, Krämpfe oder Abszesse verursachen. Eine Reihe von Bakterien und Pilzen kann auch in Herz und Lunge geraten, sich dort festsetzen und zu schweren (manchmal lebensbedrohlichen) Komplikationen führen. Sehr gefährlich sind Hepatitis-Viren und HIV. HIV ist das Virus, das Aids verursacht - und Aids ist immer noch nicht heilbar. Hepatitis-Infektionen können die Leber schwer angreifen. Wird eine Hepatitis chronisch, kann es zu Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs kommen.
Nur sterile Spritzbestecke bieten einen optimalen Schutz vor Infektionen. Können Drogengebraucher nicht darauf zurückgreifen, sollten sie Spritzbesteck auf jeden Fall vorher reinigen

Wird die gesamte Substanz mit EINER Spritze aufgezogen und dann, nach Teilstrichen bemessen, an die anderen weitergeben, ist das sehr riskant. Zwar benutzt jede/r die eigene Spritze, doch wenn die erste Spritze oder Nadel nicht steril sind, können Bakterien, Pilze und Viren weitergetragen werden.
Um Stoff gerecht zu teilen, gibt es eigentlich nur eine saubere Lösung: Eine/r teilt das Pulver, die anderen suchen sich ihre Portion aus. Dann benutzt jede/r den eigenen Löffel, den eigenen Filter, die eigene Spritze.

Work-Sharing

Auch beim gemeinsamen Benutzen von Werkzeug werden Krankheitserreger übertragen: Gebrauchte Filter und Tupfer, verunreinigte Löffel und Gläser, sogar abgestandenes Wasser sind "Verstecke" von Krankheitserregern und ein idealer Nährboden für Pilze und Bakterien. Diese Bedingungen sind "ideal" für die Übertragung von Hepatitis-Viren. Daher solten Drogengebraucher immer nur den eigenen Löffel, unbenutzte Filter und Tupfer sowie frisches Wasser verwenden.


Im Notfall

Wenn es mit dem Schutz mal nicht geklappt hat...

Das Kondom ist gerissen, oder es wurde "im Sturm der Gefühle" einfach vergessen: So etwas kann durchaus passieren. Der eindringende Partner kann dann seinen Penis waschen und zu urinieren versuchen, um Reste von Körperflüssigkeiten des Partners ab- und auszuspülen. Bisher ist nicht geklärt, ob für die aufnehmende Person eine Darmspülung sinnvoll oder im Gegenteil gefährlich ist.

Kommt beim Sex Sperma in die Augen, diese möglichst schnell mit Wasser ausspülen. Ist Sperma in den Mund gelangt, schnell ausspucken und ausspülen (je schneller, desto besser - wenn's geht, mit Alkohol).

Wenn jemand ein erhöhtes Infektionsrisiko hatte (z.B. ungeschützter Sex mit einem HIV-positiven Menschen oder Blut- oder Schleimhautkontakt mit HIV-infiziertem Blut, etwa bei einer Nadelstichverletzung im Krankenhaus), ist möglicherweise auch eine Post-Expositions-Prophylaxe - kurz HIV-PEP - sinnvoll. (Zur Erklärung: post = nach, Exposition = hier: Kontakt mit HIV, Prophylaxe = Infektionsvermeidung) Hinter dem komplizierten Namen verbirgt sich eine vierwöchige Chemotherapie mit Medikamenten, die gegen HIV gerichtet sind. Sie hat die bestmögliche Wirkung, wenn sie so schnell wie möglich nach dem Risikokontakt begonnen wird. Je mehr Stunden vergehen, desto geringer ist die Chance, dass die HIV-PEP wirkt. Außerdem ist möglichst bald mit einem Resistenztest zu überprüfen, ob das übertragene Virus möglicherweise schon gegen bestimmte Anti-HIV-Medikamente unempfindlich ist - in diesem Fall müssten diese Medikamente ausgetauscht werden.

Ob und wie gut die HIV-PEP wirkt, kann man allerdings nicht genau sagen. Außerdem treten manchmal auch starke Nebenwirkungen auf (Spätfolgen sind jedoch eher nicht zu erwarten).

Die Post-Expositions-Prophylaxe ist also kein "Kondom für danach", sondern eine Behandlungsmöglichkeit für Ausnahmesituationen. Ob eine HIV-PEP eingesetzt werden sollte, lässt sich nur mit einem erfahrenen Arzt/einer erfahrenen Ärztin klären!


   
       
Hildegard      
     
  © Zürcher Aids-Hilfe 2004. Quelle: Aids-Hilfe Schweiz