Angststörungen
Einführung
Was sind Angststörungen?
Wie unterscheidet man normale von krankhafter Angst? Die Medizin unterscheidet
verschiedene krankhafte Ängste. Eine rasche Diagnose und Behandlung sind
für die Heilung äusserst wichtig!
Wie funktioniert Angst?
Angst ist ein angeborenes Reaktionsmuster, das unter bestimmten Bedingungen
ausgelöst wird und dann mehr oder weniger unkontrollierbar abläuft.
Viele Auslöser dieses Reaktionsmusters werden erst im Verlauf des Lebens
erworben. Oft werden Befürchtungen (Angst) selbst zu einem Auslöser:
das ist der Teufelskreis der Angst.
Stress und Angst
Das Auslösen von Angstattacken ist abhängig vom Stresspegel. Wieviel
Stress eine Person gut vertragen kann, hängt von vielen Faktoren ab und
ist teilweise genetisch vorgegeben. Durch Fehlsteuerungen im Organismus können
Angst- und Stressreaktionen krankhaft werden.
Umgang mit der Angst
Der Umgang mit der Angst ist entscheidend dafür, wie sich die Angststörung
weiter entwickeln wird. Vermeiden von Angst auslösenden Situationen verschlimmert
die Angststörung. Durch Aushalten und Erlernen von Strategien gegen Angst
bekommt man sie in den Griff. Medikamente können eine hilfreiche oder notwendige
Stütze dazu sein.
Ursachen und Auslöser
Es hat sich gezeigt, dass immer verschiedene Ursachen und Auslöser zusammen
kommen müssen, damit es zum Ausbruch einer Angststörung kommt. Nur
selten findet sich eine einzige Ursache.
Ansatzpunkte für eine Behandlung
Zunächst werden allenfalls eindeutige körperliche Ursachen für
die Angstsörung gesucht und behandelt. Die Symptome der Angst können
ebenfalls behandelt werden. Wichtig für den weiteren Behandlungserfolg
ist das Durchbrechen des Angstkreises.
Panikattacken
Viele Angststörungen beginnen völlig unerwartet "aus heiterem
Himmel" mit einer Panikattacke. Panikattacken unterscheiden sich von normaler
Angst und werden von starken körperlichen Symptomen begleitet.
Agoraphobie
Die Agoraphobie ist die schwerwiegendste Phobie. Sie tritt häufig zusammen
mit der Panikstörung auf und beginnt i.d.R. mit einer Reihe von Panikattacken.
Panikstörung mit Agoraphobie
Die Angststörung mit den schlimmsten Auswirkungen ist die Panikstörung
mit Agoraphobie.
Auswirkungen von Angststörungen
Angst- und Panikstörungen haben nicht nur Auswirkungen auf den Patienten
selbst, sondern auch auf sein Umfeld und die Gesellschaft.
Wie funktioniert Angst?
Angstreaktionen sind angeboren. Angst ist lebensnotwendig als Vorbereitung
auf Flucht oder Kampf, sowie als automatische Alarmreaktion auf bedrohliche
Situationen. Viele Angstreaktionen laufen reflexartig automatisch ab, sodass
sie einer Gefahr ausweichen, noch bevor ihnen die Situation richtig bewusst
geworden ist.
Zur Angstreaktion gehört das Mobilisieren aller Körperreserven innerhalb
von Sekundenbruchteilen. Man kennt das als Adrenalinschub. Herz- und Atemfrequenz
werden gesteigert, Muskeln und Gehirn werden besser mit Blut versorgt, viele
Hormone bereiten den Körper auf Höchstleistungen vor. Alle diese Vorgänge
laufen automatisch ab und werden vom autonomen Nervensystem gesteuert. Die entsprechenden
Körperreaktionen werden als Symptome wahrgenommen.
Wenn die Angst allerdings ein sinnvolles Mass überschreitet, bringt sie
mehr Nachteile als Vorteile mit sich. Starke Angst reduziert die Konzentrationsfähigkeit.
Wenn sie in Panik gipfelt, kann sie zu unüberlegten Reaktionen führen
oder lähmen.
Der Angstkreis - Teufelskreis der Angst
Viele Teile des Menschen (Organe, Muskeln, Gehirn, Psyche, Nervensystem) sind
an der Angst- und Stressreaktion beteiligt und beeinflussen sich gegenseitig.
Bei einer Angststörung schaukeln sich diese Teile in einer Art Teufelskreis
gegenseitig auf bis zur Panikattacke.
Ausgelöst werden kann der Teufelskreis an mehreren Stellen: Bei Phobien
ist der Auslöser zum Beispiel ein sichtbares Objekt oder eine bestimmte
Situation. Bei der Panikstörung und der Generalisierten Angststörung
gibt es meist keinen erkennbaren Grund für einen Panikattacke (Panik aus
heiterem Himmel). Alleine schon bestimmte Gedanken, Gefühle oder Befürchtungen
können eine Panikattacke auslösen. Aber auch Vergiftungen, Krankheiten,
Stoffwechselstörungen oder neurologische Erkrankungen können Angst
und Panikattacken auslösen.
Der Angstkreis
Körper und Psyche beeinflussen sich wechselseitig
Stress- und Angstreaktionen sind gleich
Bei Angststörungen spielen Fehlsteuerungen bei der Stressreaktion eine
Rolle
Angst und Angstreaktion schaukeln sich gegenseitig auf (Teufelskreis)
Der Teufelskreis der Angst kann an vielen Stellen ausgelöst werden
Der Teufelskreis kann an vielen Stellen unterbrochen werden
Stress und Angst
Angstreaktionen sind durchaus vergleichbar mit dem, was wir im Alltagsleben
auch als Stress bezeichnen. Sind wir ausgeglichen und befindet sich unser Organismus
in einer niedrigen Anspannungssituation, wird die gleiche Belastungssituation
eine schwächere Stressreaktion auslösen, die von uns leicht bewältigt
werden kann. Bei hoher Anspannung werden wir hingegen bereits bei kleinen Ereignissen
Ängste und Sorgen empfinden und uns überfordert fühlen.
Ein und die selbe Belastung kann also unterschiedlich stark erlebt werden.
Die Stärke von Stress- und Angstreaktionen ist zudem stark abhängig
von der eingeschätzten Bedrohlichkeit, also von unseren Gedanken.
Das Ausmass der Grundanspannung ist nicht nur von Umweltereignissen und der
Zeitspanne bestimmt, in der sie auftreten, sondern auch vom uns angeborenen
«Nervenkostüm», also unserer allgemeinen Belastbarkeit, die
bei jedem Menschen unterschiedlich ist. Menschen mit grundsätzlich hohem
Anspannungsniveau sind also anfälliger für überschiessende Angst-Stress-Reaktionen.
Wann wird Angst und Stress zur Krankheit?
Angst und Stress führen nur dann zur Krankheit, wenn es zu Fehlsteuerungen
oder Überlastungen unseres Organismus kommt. Bei allen Formen von Angststörungen
spielen Fehlsteuerungen bei der Stressreaktion eine entscheidende Rolle. Wieviel
es braucht, bis ein Mensch überlastet ist und es zu einer Angststörung
kommt, hängt einerseits von seiner genetischen Konstitution und andererseits
von seinen erworbenen Fähigkeiten ab. Nicht zuletzt spielt auch das soziale
Umfeld eine wichtige Rolle.
Umgang mit der Angst
Unabhängig von Ursache und Auslöser der Angststörung ist entscheidend,
wie sie jetzt mit der Angstproblematik umgehen:
Der erste Reflex in einer Angstsituation ist Flucht. Zur Panik kommt es meist
nur, wenn man keine Fluchtmöglichkeit hat oder sieht. Durch Verlassen der
angstbesetzten Situation bessern sich die Symptome. Einerseits weil die vom
Körper bereit gestellte Energie durch die Flucht abgebaut wird, andererseits
weil man sich vom vermeintlichen Auslöser entfernt.
Angst-Vermeidung führt zu Agoraphobie
Die Fluch führt jedoch dazu, dass die Angst immer schlimmere Ausmasse
annimmt. Sobald in einer neuen Situation ein leichtes Unbehagen auftritt, weil
die Situation einen vielleicht an eine ähnliche Situation erinnert, in
der man Angst hatte, kommt erneut Angst auf. Diese Angst löst über
das vegetative Nervensystem eine Stressreaktion im Körper aus, welche das
Unbehagen steigert, was wiederum die Angst steigert usw. Teufelskreis der Angst.
Mit der Zeit gibt es immer mehr Situationen, die man fluchtartig verlassen
muss oder die man aus Angst schon gar nicht mehr aufsucht. Irgendwann wird es
so schlimm, dass man sich nicht mehr traut, die Wohnung zu verlassen - eine
Agoraphobie ist entstanden (Angst vor der Angst). Dies hat weitreichende Konsequenzen
für den Patienten und sein Umfeld.
In der Angstsituation ausharren ist die Lösung
Bei einer Panikstörung ist es wichtig, dass man sich beim Auftreten einer
Panikattacke immer wieder klar macht, dass die Angstsymptome nicht zu irgendwelchen
schädlichen Folgen, wie Ohnmacht, Herzinfarkt usw. führen können.
Das Nervensystem spielt uns nur einen Streich, indem es wegen der Angst überreagiert.
Bleibt man in der angstauslösenden Situation und hält die Symptome
aus, so wird man die Erfahrung machen, dass die Angst und Panik nicht ewig andauern
kann und schliesslich von selbst wieder abklingt. Das vegetative Nervensystem
kann nämlich die Angst-/Stressreaktion nicht beliebig lange aufrecht erhalten.
Je öfter man diese Erfahrung macht, desto weniger Angst hat man vor solchen
Situationen. Selbst wenn einem weiterhin Panikattacken überfallen sollten,
schränkt man sein Leben so wenigstens nicht noch zusätzlich ein. Mit
jedem Mal wird man stärker aus einer solchen Situation heraus gehen.
Verhaltenstherapeutische Unterstützung
Neben den körperlichen Umständen, die eine Angststörung verursachen
und stützen können, spielt das Denken und Verhalten der Patienten
eine grosse Rolle für den weiteren Verlauf der Angststörung. In eine
Angststörung gerät man durch bestimmte (z.B. ängstliche) Verhaltensweisen
leichter. Erfahrene und gut ausgebildete Psychotherapeuten können problematische
Denk- und Verhaltensweisen aufdecken und dem Patienten gezielt dabei helfen,
andere Denkmuster und Verhaltensweisen zu erlernen. Dadurch kann es gelingen,
die körperlichen Fehlregulationen aufzufangen und mit der Zeit zu korrigieren.
Der Körper kann lernen!
Medikamente können bei der Angstbewältigung notwendig sein
Die körperlichen Reaktionen bei einer Angststörung können so
stark sein, dass es für den Betroffenen unmöglich ist, in der Angstsituation
auszuharren und neue Verhaltensmuster einzuüben. Eine Angstsituation bedeutet
ja Stress pur und schaukelt die Angstreaktion immer stärker nach oben.
Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, können Medikamente notwendig werden.
Einige Patienten schaffen es mit medikamentöser Hilfe, aus der Angststörung
heraus zu finden. Danach brauchen sie die Medikamente nicht mehr. Das scheint
vor allem für Patienten zuzutreffen, die schnell eine geeignete Therapie
begonnen haben.
Bei vielen Patienten ist die Situation bereits so verfahren und der Körper
so aus dem Gleichgewicht, dass es ohne langfristige medikamentöse Therapie
über Monate und Jahre nicht mehr geht. Aber auch für diese Patienten
ist es sehr von Vorteil, wenn sie es schaffen, sich den Angstsituationen auszusetzen
und neue Verhaltensweisen einzuüben.
Ursachen und Auslöser von Angststörungen
Wie im Funktionsmodell bereits erklärt worden ist, sind Angst- und Panikstörungen
Erkrankungen des ganzen Menschen. Sie betreffen den Hirnstoffwechsel und das
Nervensystem ebenso wie den Körper, das Verhalten, die Gefühle und
Gedanken. Es hat sich gezeigt, dass immer verschiedene Ursachen und Auslöser
zusammen kommen müssen, damit es zum Ausbruch dieser Erkrankung kommt.
Nur selten findet sich eine einzige Ursache.
Ursachen von Angststörungen
Die Schwierigkeit beim Ermitteln der Ursache ist, dass jede Veränderung
im Körper oder der Psyche sich nach und nach auf den ganzen Menschen auswirkt.
Jeder Teil des Menschen ist bemüht, eine Veränderung auszugleichen,
um die Harmonie wieder herzustellen. So kann man hinterher nicht mehr erkennen,
welcher Teil zuerst eine Veränderung erfahren hat. Tatsächlich findet
man bei Menschen mit Angststörungen oft Veränderungen im vegetativen
Nervensystem, ein Ungleichgewicht bei Neurotransmittern im Gehirn, Stoffwechselstörungen,
Störungen in der Stressachse und nicht zuletzt Verhaltensänderungen
und bestimmte ängstliche Gedankenmuster. Und man kann nicht mehr sagen,
was zuerst da war (Henne oder Ei?).
Solche Veränderungen des ganzen Menschen geschehen schleichend, vielleicht
über viele Jahre. Die Ursachen sind vielfältig, da der Mensch dauernd
den verschiedensten Umweltfaktoren ausgesetzt ist (Gifte, Strahlen, Bakterien
und Viren, Wachstums- und Anpassungsprozesse, soziale und psychische Belastungen...).
Auch die genetische Veranlagung sowie erlernte Verhaltensmuster haben einen
Einfluss auf die Harmonie und Gesundheit. Irgendwann kann das Gleichgewicht
so sehr gestört sein, dass es vom Körper nicht mehr unbemerkt korrigiert
werden kann. Dann kann es zum Ausbruch einer Angststörung oder anderer
Erkrankungen kommen.
Nachfolgend werden mögliche Ursachen von Angststörungen aufgelistet.
Bedenken sie, dass meist mehrere dieser Faktoren zusammen kommen müssen:
- Veranlagung und Erziehung
Eine gewisse Bereitschaft, eine Angststörung zu entwickeln, wird vererbt.
Wenn ihre Eltern unter Angsterkrankungen leiden, ist die Wahrscheinlichkeit
erhöht, dass auch sie an einer Panikstörung erkranken. Zudem können
erlernte Verhaltensmuster eine Angststörung begünstigen. Wenn ein
Elternteil mit einer Angststörung nicht lernt, damit umzugehen, kann
sich das auf die Kinder übertragen, da viele Verhaltensmuster von den
Eltern kopiert werden.
- Lebensereignisse
Die Nachricht von einem Todesfall oder das Erleben eines solchen - vor allem,
wenn Herzversagen die Ursache war -, aber auch Berichte im Fernsehen oder
in den Zeitungen über Herzerkrankungen und damit verbundene Todesfälle
gehen gehäuft dem Erleben einer Panikattacke voraus.
- Lange Stressbelastung
In länger andauernden belastenden Lebensphasen ist das Risiko für
Panikattacken erhöht.
- Übertriebene körperliche Sebstbeobachtung
Menschen, die dazu neigen, ihre körperlichen Funktionen intensiv zu beobachten
und sich über alle Veränderungen Sorgen machen, sind häufiger
von Panikanfällen betroffen.
- Einschneidende Angsterlebnisse
Die erste Panikattacke stellt meist ein so intensives und bedrohliches Erlebnis
dar, dass aufgrund der Erwartungsangst bezüglich weiterer Attacken ein
umfangreiches Vermeidungsverhalten einsetzt. Bestimmte Orte oder Situationen
werden einfach nicht mehr aufgesucht. Es entwickelt sich eine Panikstörung
mit Agoraphobie. Hierbei ist die Angst selbst zu einer Ursache für weitere
Panikattacken geworden.
- Suchtmittel
Übermässiger Nikotin- oder Alkoholgebrauch erhöhen das Risiko
für eine Panikattacke ebenso wie der Gebrauch bestimmter, vor allem anregender
Drogen. Pharmakologisch-toxische Ursachen von Angst
- Lebensführung
Mangelnde körperliche Fitness (sogar beim Treppensteigen ausser Atem)
und Schlafmangel.
- Krankheiten, Stoffwechselstörungen, Verletzungen
Angst bei somatischen Erkrankungen
Auslöser von Panikattacken
Als Auslöser ist meist Stress der Hauptfaktor, wobei es viele verschiedene
Stressfaktoren gibt (körperliche sowie seelische). Da Stress- und Angstreaktionen
körperlich fast identisch sind, kann Stress den Teufelskreis der Angst
auslösen. In den industrialisierten Ländern wird Stress immer mehr
zu einem Problem. Die natürliche Reaktion auf Stressoren wäre Flucht
oder Kampf. Für heutige Stressoren wie Zeitdruck, Leistungserwartungen,
Konkurrenzdruck usw. sind weder Flucht noch körperlicher Kampf sinnvolle
Antworten. So kann sich die bei Stress vom Körper bereit gestellte Energie
nicht mehr angemessen entladen und führt mit der Zeit zu einem Ungleichgewicht
in der Stressregelung und langfristig zu körperlichen Veränderungen.
Das wäre eine Erklärung dafür, weshalb in unnatürlichen
Lebensräumen Angstkrankheiten so häufig sind.
Die erste Panikattacke entsteht gewöhnlich im Rahmen einer Kombination
von zwei Arten von Stressfaktoren:
- Körperliche Belastungen:
Schwüles oder heisses Wetter, Blutdruckabfall, Blutzuckerabfall, Allergie,
Genesungsphase nach einer Krankheit (z.B. plötzliches Aufstehen nach
einer Grippe), körperliche Aktivierung nach längerer Inaktivität,
Schlafmangel, Schwangerschaft, Geburt, Zustand einige Tage vor der Menstruation,
zuviel Kaffee, Zigaretten, Alkohol oder Drogen, Nebenwirkungen von Medikamenten.
- Psychische und soziale Belastungen:
Unerwarteter Todesfall, schwere Erkrankung eines Angehörigen (Herzinfarkt,
Krebs), akute familiäre oder berufliche Konflikte, massiver beruflicher
Stress, Trennungserlebnisse, Kündigung, materielle Sorgen, Zustand nach
körperlicher oder sexueller Gewalt
Ansatzpunkte für eine Behandlung
Die Annahme, dass bei einer Krankheit oder psychischen Störung ein einfaches
Ursache-Wirkungs-Prinzip besteht, hat sich als zu einfach und unzutreffend erwiesen.
Die Realität zeigt, dass Krankheit meist das Produkt des Zusammenwirkens
der äusseren Umwelt und der Reaktion des Betroffenen darauf ist. Diese
Reaktionen sind sehr komplex und individuell. Zu Krankheiten oder psychischen
Störungen kommt es, wenn die Reaktionen des Körpers und der Psyche
nicht ausreichen, der Störung angemessen zu begegnen. Mögliche Gründe
sind unzureichende Immunantwort, Überlastungen durch mehrere gleichzeitig
vorliegende Belastungen, genetische Mängel, nicht passende Verhaltensmuster,
erlernte Hilflosigkeit usw.
Stressoren sind oft schwach und sehr subtil, sodass sie gar nicht bewust wahrgenommen
werden. Trotzdem reagieren Körper und Unterbewustsein darauf. Wirken Stressoren
über lange Zeit, kommt es zu Veränderungen im Körper und Verhalten.
Wenn dann noch aussergewöhnliche Umstände dazu kommen, kann dies das
Fass zum Überlaufen bringen und eine Krankheit oder psychische Störung
auslösen.
Behandlung der Ursachen
Das finden der Ursachen einer Angststörung erweist sich oft als sehr schwierig:
Es gibt nur selten nur die EINE Ursache (z.B: Schilddrüsenüber-/unterfunktion).
Die Ursachen haben Körper und Psyche über lange Zeit verändert,
sodass aus den momentanen Symptomen nicht mehr auf die Ursachen geschlossen
werden kann. Die Ursachen sind möglicherweise nicht einmal mehr vorhanden
oder können nicht mehr korrigiert werden, da sie in der Vergangenheit liegen
(Kindheitstrauma).
Krankheiten als Ursachen von Angststörungen können vom Arzt aufgedeckt
und behoben werden durch Operationen, medikamentöse oder andere Behandlungen.
Angst bei somatischen Erkrankungen
Liegen die Ursachen für die Angststörung in einer belastenden Lebensführung,
so können diese durch Umstellen der Lebensführung behoben werden.
Dies ist nicht einfach, weil die gewählte Lebensführung auch eine
Reaktion auf äussere Belastungen ist, die man vielleicht nicht beeinflussen
kann oder will. In einer Psychotherapie können solche Zusammenhänge
aufgedeckt werden und neue, gesündere Lösungsstrategien erarbeitet
und eingeübt werden.
Behandlung der Symptome
Das eigentlich belastende an Krankheiten sind die Symptome, nicht die Ursachen.
Symptome sind hier und jetzt vorhanden und es gibt heute eine unübersichtliche
Menge von Methoden, diese zu lindern. Im günstigsten Fall kann damit eine
positive Veränderung von Körper und Psyche erreicht werden, welche
die Selbstheilung voran bringt oder sogar erst ermöglicht.
Durchbrechen des Angstkreises
Wie im Funktionsmodell gezeigt wurde, braucht es verschiedene Ursachen und
Auslöser, um den Angstkreis anzustossen. Auf die meisten Elemente des Angstkreises
kann man Einfluss nehmen und den Angstkreis dämpfen:
Angst- und Stressreaktionen können durch Medikamente gedämpft werden
(Beruhigungsmittel), wodurch Panikattacken wirksam unterdrückt werden können.
Auf krankhafte Veränderungen im Neurotransmitter-Haushalt kann mit Antidepressiva
Einfluss genommen werden. Die körperlichen Symptome sind bei einem gut
trainierten Körper schwächer als bei einem nicht trainierten. Deshalb
ist Ausdauersport ebenfalls ein gutes und gesundes Mittel, den Angstkreis zu
dämpfen. Auf das autonome Nervensystem kann man mit Entspannungsmethoden
positiv einwirken.
Bestimmte Verhaltensweisen erlernt das Gehirn erst im Laufe seines Lebens (Konditionierung).
Das Gehirn lernt um so schneller, je stärker die Empfindungen bei einem
Ereignis sind (wer setzt sich schon zwei mal in die Nesseln?). Die Empfindungen
bei einer Panikattacke mit Todesangst sind extrem stark. Darum brennt sich das
damit verbundene Verhaltensmuster (Flucht/Vermeidung) sehr schnell ins Gehirn
ein. Flucht und Vermeidung sind zwar im Augenblick wirksam, aber längerfristig
mit vielen negativen Auswirkungen verbunden. Deshalb ist es sinnvoll, dem Gehirn
ein anderes Verhalten beizubringen:
Panikattacken sind extrem unangenehm, aber keine Gefahr für den Körper.
Wenn man bei einer Panikattacke nicht flieht oder Situationen nicht meidet,
bei denen man eine Panikattacke befürchtet, so kann das Gehirn lernen,
dass die Panikattacke auch in der vermeintlich gefährlichen Situation wieder
von selbst abklingen wird. Das Gehirn lernt, dass die körperlichen Symptome
keine Gefahr bedeuten und kurbelt die Alarmreaktion nicht mehr zusätzlich
an. Mit der Zeit werden die Panikattacken immer schwächer und die Symptome
bleiben in einem erträglichen Mass. Das Expositionstrainig der Verhaltenstherapie
hat mit dieser Methode die grössten Erfolge.
Gedanken wirken über das autonome Nervensystem auf den Körper ein
und können den Angstkreis anregen. Das Wissen um die Funktionsweise des
Angstkreises kann die ängstlichen Gedanken vermeiden helfen. Dadurch wird
der Angstkreis durch Befürchtungen und ängstliche Gedanken nicht mehr
zusätzlich angeheizt.
Panikattacken
Was sind Panikattacken?
Viele Angststörungen beginnen völlig unerwartet "aus heiterem
Himmel" mit einer Panikattacke. Die Panikattacke ist ein akuter, intensiver
und zeitlich begrenzter Angstanfall, erreicht innerhalb weniger Minuten ein
Maximum und dauert mindestens einige Minuten, in einigen Fällen sogar Stunden.
Panikattacken können bei allen Angststörungen auftreten.
Drei Arten von Panikattacken werden unterschieden:
- Die unerwartete (ohne ersichlichen Auslöser),
- die situationsbegünstigte
- und die situationsgebundene.
Unerwartete Panikattacken gehören zur Panikstörung. Situationsgebundene
können bei Sozialen Phobien und bei Spezifischen Phobien auftreten. Situationsbegünstigte
Panikattacken kommen bei Panikstörungen und Phobien vor.
Viele Personen mit Panikattacken waren früher keine ängstlichen Menschen.
Am Beginn einer Panikstörung steht eine Panikattacke, die zumeist nicht
durch Ängste ausgelöst wird, sondern durch Stress, unterdrückte
Wut oder unverarbeitete Trauer. Das Auftreten der ersten Panikattacke wird oft
begünstigt durch einen kurzfristig geschwächten Organismus (z.B. körperliche
Erschöpfung, schwül-heisses Wetter).
Vergleich mit normaler Angst
Panikattacken unterscheiden sich von der "normalen Angst", die jeder
von uns schon erfahren hat.
- Einige Panikattacken treten unerwartet und ohne erkennbaren Anlass auf.
- Panikattacken sind besonders stark und übersteigert ausgeprägt.
- Panikattacken sind nicht zu kontrollieren.
- In Panikattacken befürchtet man zu sterben oder verrückt zu werden.
- Panikattacken rufen eine beständige Erwartungsangst vor dem nächsten
Anfall hervor (Agoraphobie).
- Durch das Vermeiden von panikauslösenden Situationen wird das Leben
mehr und mehr eingeschränkt.
Die Intensität der Angstgefühle bei Panikattacken ist oft sehr stark
und es treten extreme körperliche Symptome dabei auf. Wenn dazu, wie bei
der Panikstörung, auch noch keine Ursache für die Panikattacke ersichtlich
ist, können viele Betroffene gar nicht glauben, dass es sich dabei 'nur'
um übersteigerte Angstgefühle handeln soll. Die Betroffenen sind der
festen Überzeugung, es müsse sich um eine schlimme Krankheit handeln.
Einige Panikattacken treten überfallmässig in alltäglichen Situationen
auf: beim Autofahren, in einem Geschäft, mein Überqueren eines grossen
Platzes, im Aufzug, oder wenn man alleine das Haus verlässt; bei manchen
Menschen auch beim Lesen eines Buches oder sogar nachts im Schlaf.
Symptome einer Panikattacke
Panikattacken sind nicht bei allen Menschen gleich. Folgende Symptome treten
bei einer Panikattacke häufig auf:
- Rasender Puls (Herzrasen)
- Herzinfarktähnliche Schmerzen und Symptome
- Beklemmungsgefühl
- Atembeschwerden, Erstickungsgefühle
- Fein- oder grobschlägiges Zittern
- Hitzewallungen, kalter Schweiss
- Mundtrockenheit
- Übelkeit oder Missempfindungen im Bauchbereich (z.B. Unruhegefühl
im Magen)
- Schwindel, Unsicherheit, Schwäche oder Benommenheit
- Gefühl, die Objekte sind unwirklich (Derealisation) oder man selbst
ist weit entfernt oder nicht wirklich hier (Depersonalisation)
Bei einigen Menschen treten diese Symptome auf, ohne dass sie Angst dabei empfinden.
Angst entwickelt sich oft erst später als Reaktion auf die unerwartet,
unkontrollierbar und bedrohlich auftretenden Panikattacken.
Aufgrund der Symptome während einer Panikattacke fürchten viele,
Ohnmächtig zu werden, zu ersticken, einen Herzinfarkt zu erleiden, sterben
zu müssen oder verrückt zu werden.
Auswirkungen von Angststörungen
Angst- und Panikstörungen haben nicht nur Auswirkungen auf den Patienten
selbst, sondern auch auf sein Umfeld und die Gesellschaft:
Persönliche Auswirkungen
Patienten mit einer Panikstörung leiden nicht nur während einer Panikattacke.
Die Angst vor der nächsten Panikattacke - die Angst vor der Angst - wird
bald zum beherrschenden Thema, das alle Lebensfreude und Aktivitäten negativ
beeinflusst. Jede Form von Stress begünstigt Panikattacken. Auch freudige
Ereignisse oder nur schon bestimmte Gedanken erhöhen den Stresspegel und
können eine Panikattacke auslösen oder begünstigen. Manche Betroffenen
meiden nach einiger Zeit alle Situationen, von denen sie glauben, dass sie eine
Panikattacke auslösen könnten. Gesellschaftliche Ereignisse wie Verwandten-
oder Kinobesuche werden ebenso gemieden wie Einkaufen, Fahren in öffentlichen
Verkehrsmitteln, Verreisen usw. In solchen Fällen sprechen die Ärzte
und Therapeuten von einer Panikstörung mit Agoraphobie. Die Patienten isolieren
sich immer mehr und können im Extremfall die Wohnung nicht mehr ohne Begleitung
verlassen Beispiel.
Zu den Ängsten kommt noch eine weitere Belastung hinzu: Da das vegetative
Nervensystem durch die Dauerbelastung mit den Ängsten aus dem Gleichgewicht
gerät, werden Panikpatienten von andauernden körperlichen Symptomen
geplagt, die nur durch Beruhigungsmittel, Alkohol oder andere Drogen gedämpft
werden können. Es kommt zu Komplikationen wie Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln,
Alkohol oder gar Drogen. Zudem sind Depressionen oft die Folge der andauernden
Verzweiflung über das Leiden.
So verwundert es nicht, dass Panikpatienten zu keinerlei Unternehmungen mehr
zu motivieren sind, was natürlich Auswirkungen auf das Umfeld hat:
Auswirkungen auf das Umfeld
Viele Patienten stossen in ihrem Umfeld auf Unverständnis. Dies wird noch
verstärkt durch die Tatsache, dass der Arzt bei Untersuchungen keine körperliche
Krankheit feststellen kann und deshalb ein psychisches Problem attestiert. Viele
Menschen glauben, dass ein psychisches Problem nur mit "Nicht-Wollen"
zu tun hat. Die Patienten werden als Simulanten und Drückeberger abgestempelt.
Manche Partnerschaft ist deshalb schon in die Brüche gegangen Beispiel.
Viele Angstpatienten fühlen sich nur noch in der eigenen Wohnung einigermassen
sicher. Sie vereinsamen immer mehr und das soziale Netz fällt auseinander.
Da auch die Arbeit und der Weg dorthin immer mehr zur Qual wird, fehlen sie
immer öfter und verlieren schliesslich ihren Arbeitsplatz. Das führt
dann zu finanziellen Problemen, da sie auch nicht in der Lage sind, beim Arbeitsamt
und anderen Behörden vorzusprechen. Bis Betroffene jemanden finden, der
sie versteht und ihnen hilft, sind viele bereits in grosse finanzielle Probleme
geraten.
Auswirkungen auf die Gesellschaft
Bis eine Angststörung diagnostiziert wird, vergehen im Durchschnitt mehrere
Jahre, in denen der Patient erfolglos von Arzt zu Arzt rennt, weil er nicht
glauben kann, dass ihm nichts fehlen soll. Alle möglichen und teuren Untersuchungen
lässt er über sich ergehen. Das verursacht immense Kosten, die von
der Gesellschaft über die Kassenprämien mitfinanziert werden.
Ist die Angststörung mangels rechtzeitiger und wirksamer Behandlung schliesslich
chronisch geworden, und kann der Patient keiner Arbeit mehr nachgehen, kommen
schliesslich noch die Kosten für IV, Ergänzungsleistungen und Pension
dazu.
Komplikationen wie Agoraphobie und Depressionen
Alkohol- und Medikamentenmissbrauch
Hilflosigkeit, kindliche Abhängigkeit
Unverständnis im Umfeld
Partnerschaftsprobleme
Verlust des Arbeitsplatzes
Vereinsamung
Finazieller Ruin
Kosten für die Gesellschaft
Therapien und Therapeuten: Die psychotherapeutische Behandlung
Wie wissenschaftliche Studien gezeigt haben, kann eine Angststörung erfolgreich
mit Psychotherapie, insbesondere mit der Verhaltenstherapie, die gut mit Medikamenten
kombinierbar ist, behandelt werden. Unter Verhaltenstherapie versteht man eine
psychotherapeutische Behandlungsform, die meist in mehreren aufeinanderfolgenden
Schritten verläuft:
Verhaltenstherapeutische Methoden basieren auf ausführlichen Gesprächen
zwischen Patient und Therapeut, der sogenannten Verhaltensanalyse. Dabei wird
zunächst innerhalb weniger Sitzungen geklärt, welche Bedingungen und
Auslöser die Angststörung mitverursacht und ausgelöst haben,
welche Faktoren die Probleme jetzt aufrecht erhalten und welche Komplikationen
dadurch entstanden sind. Dabei wird in der Regel die gesamte Lebenssituation
in die Gespräche einbezogen.
Eine wichtige Hilfe stellen bei der Verhaltensanalyse und dem Therapieverlauf
die Angsttagebücher dar, mit denen Sie lernen sollen, diese Bedingungen
und Auslöser zu erkennen und im späteren Verlauf Ihre Übungen
zu strukturieren. Entsprechend der jeweiligen Problemlage des einzelnen Patienten
sowie den Rahmenbedingungen, z.B. der zur Verfügung stehenden Zeit, dem
Schweregrad der Angststörung und der Wahl der Medikamente, kommen dann
recht unterschiedliche Therapiemassnahmen zum Einsatz, die in unterschiedlicher
Weise an verschiedenen Aspekten der Störung und den daraus entstandenen
Komplikationen ansetzen können.
Die wichtigsten Elemente einer erfolgreichen Psychotherapie bestehen darin,
- mittels praktischer Übungen (Exposition) zu lernen, wie man den Teufelskreis
von Angst und Vermeidungsverhalten durchbrechen kann,
- mittels gedanklicher Übungen (=kognitive Therapie) zu lernen, wie man
den Teufelskreis von Gedanken, Gefühlen, körperlichen Reaktionen
und Verhalten aktiv bewältigen kann,
- Strategien zu lernen, wie man sich selbst beim Umgang mit akuten Angstgefühlen
helfen kann und
- gegebenenfalls Entspannungsverfahren zu lernen, um die erhöhte Angstbereitschaft
zu senken sowie
- Übungen durchzuführen, die zu einer verbesserten sozialen Kompetenz
führen.
Hier finden Sie noch einmal die Therapieschritte einer Psychotherapie zusammengefasst.
Therapieschritte Was ist das Ziel?
- Ausführliche Gespräche mit Ihrem Therapeuten Herausfinden, welches
Ihre Angstsituationen sind, wie sich die Angst äussert, wann und wie
Ihre Angststörung angefangen hat und warum Sie Angst haben.
- Auslöser und Bedingungen erkennen Erkennen, welche Situationen welche
Reaktionen auslösen. Selbstbeobachtung lernen und Ihre Angstproblematik
verstehen lernen.
- Praktische Übungen Aufsuchen verschiedener sozialer Angstsituationen,
um zu lernen, wie und mit welchen IIilfsmitteln (Medikamente, Entspannungsübungen
etc.) diese bewältigt werden können.
- Expositionsverfahren Erfahren, daß die Ängste wieder abklingen
und dass man selbst die Situationen, Gedanken und Gefühle aktiv beeinflussen
kann.
- Entspannungsverfahren Lernen, die Erwartungsangst zu senken und die Entspannungsübungen
gezielt im Alltag einzusetzen.
- Kognitive Übungen Lernen, durch bestimmte Gedanken den Teufelskreis
zu durchbrechen und soziale Angstreaktionen realistisch zu bewerten.
- Soziales Kompetenztraining Selbstsicheres Verhalten einüben.
Was ist Verhaltenstherapie?
Die moderne Verhaltenstherapie vereinigt eine grosse Anzahl unterschiedlicher
Techniken und Behandlungsmassnahmen. Sie alle gehen davon aus, dass menschliches
Verhalten, Denken, Fühlen und teilweise sogar körperliche Reaktionen
erworben, also erlernt werden und - wenn sie sich als unangemessen oder problematisch
erweisen - verändert werden können.
Die Verhaltenstherapie ist problemorientiert. Die Behandlung setzt in der Regel
an der gegenwärtig bestehenden Problematik an und das therapeutische Vorgehen
wird möglichst genau auf die jeweilige Störung und den jeweiligen
Patienten zugeschnitten. Über die Lösung des Problems hinaus wird
in der Verhaltenstherapie eine Erhöhung der allgemeinen Problemlösefähigkeit
angestrebt.
Die Verhaltenstherapie untersucht auslösende und aufrechterhaltende Bedingungen
des Problems. Die Therapie setzt an denjenigen Bedingungen an, deren Änderung
für die dauerhafte Lösung als notwendig erachtet wird.
Die Verhaltenstherapie ist zielorientiert. Klient(in) und Therapeut(in) legen
gemeinsam das Therapieziel fest. Das Erreichen des Therapieziels ist damit ein
ausreichender Grund, um die Therapie zu beenden. Im Vergleich zu anderen Therapien
sind verhaltenstherapeutische Behandlungen häufig von kürzerer Dauer.
Die Verhaltenstherapie ist handlungsorientiert. Um eine Verbesserung des Zustandes
zu erreichen, ist die aktive Beteiligung des Klienten/der Klientin unumgänglich.
Dabei geht es unter anderem um ein aktives Erproben von neuen Verhaltens- und
Erlebensweisen sowie Problemlösestrategien in den therapeutischen Sitzungen
und im Alltag.
Die Verhaltenstherapie ist transparent. Alle Aspekte des therapeutischen Vorgehens
werden verständlich erklärt und das Erklärungsmodell, wie es
zur vorliegenden Problematik kam, soll nachvollziehbar sein.
Die Verhaltenstherapie stellt "Hilfe zur Selbsthilfe" dar. Durch
die oben beschriebenen Vorgehensweisen lernt der Klient/die Klientin wieder
vermehrt von seinem/ihrem Selbsthilfepotential Gebrauch zu machen.
Kognitive Verhaltenstherapie
Kognitiv heisst: das Erkennen (Wahrnehmen, Denken) betreffend. Bei einer Verhaltenstherapie
geht es nicht darum, das Dasein zu sezieren. Alle verhaltenstherapeutischen
Verfahren sind problem-, ziel- und aktionsorientiert. Man geht davon aus, dass
ungünstige, problematische Verhaltensweisen erlernt wurden und wieder verlernt
werden können.
Unter der kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) versteht man ein psychotherapeutisches
Behandlungsprogramm, das meist mehrere Elemente kombiniert:
Stützende Gespräche
Psychoedukation
Je nach vorliegender Angststörung werden verschiedene Elemente eingesetzt
und kombiniert.
Stützende Gespräche und Psychoedukation
Wichtigste Bausteine jeder kognitiven Verhaltenstherapie sind stützende
Gespräche sowie die so genannte Psychoedukation: Der Patient wird zum Experten
für seine Problematik gemacht. Er wird umfassend über die körperlichen
Abläufe der Angst aufgeklärt, über deren mögliche Ursachen
sowie über den Teufelskreis, der Angst und Vermeidung aufrecht erhält.
Erst wenn die entscheidenden Zusammenhänge verstanden sind, wenn bewusst
gemacht worden ist, dass die Ängste vor allem dadurch aufrecht erhalten
werden, indem körperliche Empfindungen und Symptome als Signale drohender
Gefahr fehlinterpretiert werden, wird der Therapeut ein individuelles Therapiepaket
erarbeiten und dessen kurz- und langfristige Nützlichkeit diskutieren.
Beispiele von Fehlinterpretationen körperlicher Empfindungen: Brustschmerzen
= «Ich bekomme einen Herzinfarkt»; Schwindel = «Ich falle
in Ohnmacht»; Atemnot = «Ich ersticke»; Kribbeln in verschiedenen
Gliedmassen = «Ich werde gelähmt»
Ein für die Verringerung der Panikanfälle entscheidender Therapieteil
ist die Korrektur der Fehlinterpretationen körperlicher Symptome.
Konfrontation (Exposition)
Unter der Obhut und Anleitung eines Therapeuten werden die Patienten mit Situationen
konfrontiert, die sie in Unruhe und Panik versetzen. Bei einer Agoraphobie handelt
es sich nicht um eine Konfrontation mit externen Reizen, sondern um die mit
«internen», wie Herzklopfen, Schwitzen oder negativen Gedanken.
Gleichzeitig werden die zwanghaften Rituale und Gedanken verhindert, die eigentlich
die Angst verhindern sollen. Der Patient soll lernen, dass keine Katastrophe
eintritt, wenn er die Rituale unterlässt und die Angst-Gedanken zulässt.
Mit Hilfe von Information soll eine Veränderung der Einstellungen erleichert
werden. Mit Hilfe von Übungen wird erlernt, die Symptome so lange zu ertragen,
bis sich der Patient auf körperlicher und gedanklicher Ebene daran gewöhnt
hat (Habituation) und diese als weniger gefährlich erlebt. Folge: die Angst
nimmt ab.
Durch die Konfrontations-Übungen macht der Patient die folgenden neuen
Erfahrungen:
- Er kann die Angst selbst bewältigen.
- Die Angst ist ungefährlich, es kann nichts passieren.
- Die Ängste klingen von alleine wieder ab.
- Situationen, Gedanken und Gefühle lassen sich aktiv beeinflussen.
Durch Flucht und Vermeidungsverhalten lassen sich diese Erfahrungen nicht machen,
was die Angststörung aufrecht erhält oder gar verstärkt.
Damit die Konfrontationsbehandlung zum Erfolg führt, müssen vorher
die Bedingungen der Angstauslösung, der Körperempfindungen und Gedanken
erarbeitet werden (siehe Psychoedukation).
Reizüberflutung
Bei der massierten Konfrontation oder Reizüberflutung (Flooding) geht
es um die bewusste Konfrontation mit jenen Situationen, die starke Angst auslösen.
Nach intensiver Vorbereitung und einer sehr sorgfältigen Planungsphase
- andernfalls kann es passieren, dass er die Behandlung abbricht - begibt sich
der Patient in Begleitung des Therapeuten an fünf bis zehn aufeinanderfolgenden
Tagen für jeweils mehrere Stunden in die Situationen, in denen er fürchtet,
vor Angst wahnsinnig zu werden, in Ohnmacht zu fallen oder zu sterben. Der Patient
bleibt so lange in der Situation, bis die Angst ohne Unterdrückung oder
Ablenkung von selbst abnimmt. Das Ziel ist nicht Angstfreiheit, sondern die
zentrale Botschaft lautet: Angst zulassen, aushalten und wissen, es passiert
nichts.
Häufig kommt es bereits nach dem dritten Tag zur deutlichen Angstabnahme.
Die Erwartungsangst weicht der Zuversicht «Wenn ich den Supergau überlebt
habe, schaffe ich auch die anderen Situationen.»
Sobald der Therapeut sicher ist, dass der Patient nicht mehr vermeiden und
weglaufen will, wird er instruiert, phobisch besetzte Situationen allein aufsuchen
und die gelernten Fertigkeiten anzuwenden. Dies ist wichtig, um Rückfälle
zu vermeiden.
Für den Erfolg der Reizüberflutung ist die enge, vertrauensvolle
Therapeuten-Patienten-Beziehung von besonderer Bedeutung. Deshalb ist es wichtig,
vor der eigentlichen Angstbehandlung eine tragfähige Basis zu schaffen,
in der alle in der Vermittlung der Behandlung auftretenden Fragen, Zweifel,
Unsicherheiten restlos geklärt werden können.
Systematische Desensibilisierung
Im Gegensatz zu der Reizüberflutung geht man hier die Konfrontation mit
angstbesetzten Situationen schrittweise an. Der Patient erstellt zunächst
eine Liste von Angst-Situationen und ordnet sie nach dem Grad der erwarteten
Angst. Nach gründlicher Vorbereitung (siehe Psychoedukation) wird analog
wie bei der Reizüberflutung eine Situation nach der anderen aufgesucht.
Die systematische Desensibilisierung hat sich in frühen Stadien der Agoraphobie
als wirksam erwiesen, spielt aber wegen des langsameren Wirkungseintritts eine
untergeordnete Rolle.
Entspannungsübungen
Angst und Entspannung passen nicht zueinander. Deshalb soll die Vermittlung
bestimmter Entspannungstechniken die Angstreaktion ersetzen. Hilfreiche Enstspannungsverfahren
sind Autogenes Training, die progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, ruhig
und richtig atmen, Bio-Feedback und andere. Verfahren der so genannten angewandten
Entspannung - Entspannung kombiniert mit Selbstkonfrontation - können bei
der Kognitiven Verhaltenstherapie zusätzlich eingesetzt werden.
Psychiater oder Psychologin?
Erste Anlaufstelle auf der Suche nach einem geeigneten Seelendoktor ist der
Hausarzt. Entsprechende Adressen sind auch im Telefonbuch zu finden unter der
Rubrik "Ärzte: Psychiatrie und Psychotherapie" oder unter "Psychotherapie".
APhS bietet eine Anlaufstelle, wo man sich vorgängig informieren kann
und wo einem ein geeigneter Arzt oder Therapeut empfohlen wird.
Man sollte bei Ärzten auf den FMH-Titel in Psychotherapie und bei nichtärztlichen
Psychotherapeuten auf das Verbandskürzel SPV (Schweizer Psychotherapeuten-Verband)
und FSP (Föderation der Schweizer Psychologinnen um Psychologen) achten.
Die Zugehörigkeit zu einem dieser zwei Fachverbände gilt als Hinweis
auf die Qualifikation, gerade in Kantonen, in denen der Titel Psychotherapeut
nicht geschützt ist.
Psychiater: Sie absolvieren nach dem Medizinstudium und dem eidgenössischen
Arztdiplom eine mehrjährige Weiterbildung bis zum Spezialarzttitel in Psychiatrie
und in Psychotherapie. Sie können Medikamente verordnen und in Kliniken
einweisen.
Psychotherapeuten: Neben der Grundausbildung an der Universität
braucht es eine Spezialausbildung an einem Psychotherapieinstitut. Psychotherapeuten
verfügen über gründliches psychologisches Wissen und eine vertiefte
Selbsterfahrung.
Psychologen: Sie haben in der Regel ein Universitätsstudium absolviert
und sind tätig in den Bereichen Schule, Arbeit oder Werbung. 
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