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Depression

Wie oft kommt es vor, dass wir alles grau sehen, dass wir nichts haben, worauf wir uns freuen können und dann sagen: "Das alles deprimiert mich so!".
Das Wetter macht uns "depressiv", ein unbefriedigender Beruf ist einfach "deprimierend". Depression ist ein Wort für alle Phasen, in denen wir in einem Stimmungstief sind. Da wir den Ausdruck Depression so oft benützen, herrscht der Eindruck vor, dass die Depression ein ganz gewöhnlicher Gemütszustand ist. Jeder war schon mal "depressiv", jeder kann mitreden.
Aber: Depression ist nicht gleich Depression.
Das Stimmungstief, die ganz gewöhnlichen Phasen der Entmutigung und Freudlosigkeit, wie sie in jedem Alltag vorkommen, sind etwas anderes als eine Depression im medizinischen Sinn. Die Depression im medizinischen Sinn ist eine ernsthafte, oft lebensbedrohliche Erkrankung. Der Betroffene braucht in jedem Fall Hilfe. Seine Erkrankung muss zunächst von einem Arzt erkannt und dann von einem Arzt oder einem Psychologen behandelt werden.
Die Santé Gaie Studie in Genf hat gezeigt, dass 40% der befragten Schwulen entweder wegen einer Depression in Behandlung sind oder waren.
Die folgenden Abschnitte sollen dir zeigen, was eine Depression ist, wie sie behandelt werden kann, wie du als Angehöriger darauf reagieren kannst oder wie du sie erkennst.


Was ist eine Depression?

Wir alle kennen Phasen der inneren Erschöpfung und der Verzagtheit. Solche Phasen können durch viele Ereignisse ausgelöst werden: durch den Verlust eines Angehörigen, die Trennung von einem Freund, berufliche Probleme oder eine private Enttäuschung. Es kann sein, dass Trauer und Mutlosigkeit normale Reaktionen unserer Psyche auf Lebensprobleme sind. In einem solchen Fall ist die Lebenskrise, das Stimmungstief eng mit dem Lebensproblem verbunden, das sie ausgelöst hat. Sobald der Verlustschmerz oder die Überbelastung nachlässt, hellt die Stimmung wieder auf.
Eine Depression aus medizinischer Sicht ist jedoch etwas anderes - eine behandlungsbedürftige, psychiatrische Erkrankung. Wer an einer Depression erkrankt ist, kann sich nicht mehr aus eigener Kraft aus der gedrückten Stimmung befreien. Aufforderungen wie "Nimm dich zusammen" oder "Mach mal Urlaub" helfen nicht weiter. Eine Depression kann, wenn sie nicht richtig behandelt wird, Monate oder Jahre andauern.

Männer und Depression:
Männer die in einer Depression leiden, fühlen sich oft nicht krank. Das gehört zum Krankheitsbild. Nur hie und nehmen betroffene Männer ein Gefühl von Erschöpfung oder Traurigkeit wahr. Häufiger zeigt sich die Depression in anderen Symptomen wie übermässiger Alkoholkonsum, übermässige sportliche Aktivität, häufige Streitereien, verlieren der Beherrschung etc.


Was unterscheidet eine Depression von einer normalen Trauerreaktion?
Die Symptome einer Depression lassen sich nicht in wenigen Worten zusammenfassen. Zwei Menschen, welche an einer Depression erkrankt sind, können an unterschiedlichen Symptomen leiden.
Es gibt Überschneidungen mit anderen Krankheiten, wie auch jedes Anzeichen einer Depression von einer anderen Erkrankung herrühren kann. Deswegen ist es wichtig, dass du über deine Beschwerden mit einem Arzt redest. Eine Depression ähnelt in einigen Anzeichen einer "normalen" Trauerreaktion. Der Betroffene ist mutlos, verspürt eine tiefe Leere oder Traurigkeit. Beschäftigungen, denen er früher nachging, machen ihm jetzt keine Freude mehr, er vernachlässigt Hobbys und andere Freizeitaktivitäten. Es gibt jedoch einige Anzeichen, die eine Depression von einer "gesunden" Traurigkeit unterscheiden.

Trauer "ohne" Grund: Im Gegensatz zu einer depressiven Erkrankung sind Phasen der Trauer im Allgemeinen nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten überwunden. Eine unbehandelte Depression hingegen zieht sich häufig über einen langen Zeitraum hin; oft dauert sie solange, dass man sie schliesslich nicht mehr auf ein belastendes Ereignis zurückführen kann. Ausserdem kann eine Depression auch ohne äusseres Ereignis auftreten.

Keine Aufheiterbarkehit: Im Unterschied zu Menschen, die einfach traurig sind, ohne dabei im medizinischen Sinn krank zu sein, lässt sich ein Mensch, der an einer Depression leidet, in der Regel nicht von seinen Empfindungen ablenken. Im Kreise von Freunden oder im Urlaub wird seine Stimmung nicht besser, oft sogar noch niedergedrückter.

Stimmungsschwankungen im Laufe des Tages: Eine weitere Besonderheit der Depression, die diese Erkrankung von einer normalen Verstimmung unterscheidet, ist, dass die Beschwerden in Abhängigkeit von der Tageszeit auftreten können (Tagesschwankungen). Der Betroffene ist am Morgen besonders traurig und mutlos (Morgentief), während es gegen Nachmittag zu einer Aufhellung der Stimmung kommt. Der Stimmungsrhythmus kann jedoch auch anders verlaufen: Es beginnt mit einem Hoch am Morgen und endet in gedrückter Stimmung am Abend. Bei einer schweren Depression sind diese Stimmungsschwankungen oft ein Zeichen für eine einsetzende Besserung, während anfangs die Stimmung durchgängig gedrückt ist, gibt es jetzt immerhin erste Phasen der Aufhellung.


Woran erkennt man eine Depression?

  • Traurige Stimmung:
    Im Vordergrund der Beschwerden steht meist das Gefühl der tiefen Traurigkeit und der Freudlosigkeit. Der Erkrankte fühlt sich niedergeschlagen und mutlos, die Stimmung ist getrübt. Manche Betroffene berichten von ihrer Gefühllosigkeit oder von einer inneren Leere. Zur Trauer tritt eine Hoffnungslosigkeit hinzu. Der Erkrankte glaubt, dass er keine Zukunft mehr hat und dass er an seiner Situation nichts mehr ändern kann.
  • Störungen des Antriebs und der Entscheidungsfähigkeit:
    Wer von einer Depression betroffen ist, kann sich oft zu nichts mehr entschließen; selbst einfache Verrichtungen machen ihm grosse Mühe. Der Erkrankte kann sich nicht entscheiden, was er tun möchte, wägt endlos ab, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. Dies lässt sich manchmal auch an seinem Gesichtsausdruck und seinen Bewegungen erkennen. Die Augen strahlen nicht mehr, das Gesicht wirkt wie versteinert. Die Bewegungen mancher Depressiven wirken eingeschränkt und kraftlos. Man kann dem Erkrankten sein Leid förmlich ansehen. Der Mediziner spricht hier von einer Verarmung von Mimik und Motorik.
  • Konzentrationsstörungen:
    Vielen Erkrankten fällt es schwer, sich auf etwas zu konzentrieren. Ihre Arbeit strengt sie übermässig an, sie fühlen sich von Aufgaben überfordert, die sie früher ohne Probleme erledigt haben. Viele Betroffene berichten auch von einem "Kreisen der Gedanken". Es fällt ihnen schwer, sich von einigen wenigen Überlegungen zu lösen, über die sie immer wieder nachgrübeln müssen.
  • Schuld- und Minderheitskomplexe:
    Wer an einer Depression leidet, glaubt meist, dass er in irgendeiner Form selbst an seiner Erkrankung schuld ist. Das Leiden wird nicht als Folge einer Erkrankung gesehen, sondern als Konsequenz des eigenen Versagens. Ausserdem quälen ihn oft unangebrachte Schuldgefühle, z.B. finden viele Betroffene ihre eigene Energielosigkeit unverzeihlich oder machen sich Vorwürfe, weil sie ihre täglichen Aufgaben nicht mehr erfüllen oder hinter ihren selbstgesteckten Zielen zurückbleiben. Die Schuldgefühle können sich bis zum Wahn steigern.
  • Schlafstörungen:
    Bei vielen Erkrankten kommt es während der Depression zu Schlafstörungen. Sie wachen oft auf oder können erst gar nicht einschlafen. Andere leiden unter einem stark erhöhten Schlafbedürfnis. So schlafen einige Depressive wesentlich länger als sonst und fühlen sich trotzdem nicht erholt. Viele liegen trotz Müdigkeit lange wach oder wachen schon in den frühesten Morgenstunden von selbst auf.
  • Angst:
    Eine Depression wird häufig von Ängsten begleitet. Der Betroffene kann vom ständigen, unbegründeten Gefühl gequält werden, er sei unerwünscht oder für seine Mitmenschen eine Last. Auch machen sich viele Erkrankte vor dem Hintergrund ihrer Erkrankung Sorgen um ihre Zukunft. Dabei können die auftretenden Ängste eher unbestimmt sein, d.h. der Betroffene verspürt ein Gefühl der dauernden Sorge, ohne genau zu wissen, wovor er Angst hat. Die Angst kann sich aber auch auf bestimmte Dinge beziehen. So fürchtet sich mancher Erkrankte davor, unheilbar krank zu sein, ohne dass es einen wirklichen Anlass dazu gäbe. Auch eine gründliche Untersuchung durch den Arzt beruhigt ihn nicht. Andere befinden sich in ständiger Sorge, dass ihren Angehörigen etwas zustossen könnte. Seltener kommt es auch zu Angstattacken, bei denen sich die Angst in starken körperlichen Anzeichen ausdrückt. Der Betroffene leidet dann unter Atemnot, Herzrasen oder Schwindel. Diese körperlichen Symptome können die Angst bis zur Todesangst steigern.
  • Körperliche Beschwerden:
    Eine Depression kann sich auch in körperlichen, so genannten somatischen Anzeichen äussern. Betroffene klagen über Schmerzen und Beschwerden, für die der Arzt keine körperliche (organische) Ursache findet. Dabei können die unterschiedlichsten Körperteile und Organe betroffen sein: Manche haben ganz isoliert Schmerzen in den Armen oder an der Schulter, andere Kopfschmerzen. Oder es kommt zu Störungen im Magen-Darm-Bereich oder zu Überempfindlichkeiten der Haut. Andere klagen über Herzschmerzen oder über ein Gefühl der Enge in der Brust.
  • Manische Phasen:
    Eine besondere Form der Depression zeigt sich im Auftreten so genannter manischer Phasen. In einer solchen Phase ist der Erkrankte übermässig erregt, überschätzt seine eigene Leistungsfähigkeit und verhält sich gereizt bis aggressiv. Ebenso kann es sein, dass der Betroffene durch eine extreme Heiterkeit auffällt, die im Allgemeinen nicht zur tatsächlichen Situation passt. Auffällig sind auch ein nicht zu trübender Optimismus und der kaum zu bremsende Rededrang. Die Symptome einer Manie stellen insoweit fast das Gegenteil der sonstigen Anzeichen einer Depression dar. Während einer Manie kann es auch zu Wahnvorstellungen oder zu Sinnestäuschungen kommen.


Wie verläuft eine Depression?

Eine Besonderheit der Depression ist das Auftreten in Episoden.

Einmalige depressive Phase: Von dieser spricht man, wenn der Betroffene einmal an einer Depression erkrankt war und diese ausheilt, ohne dass Beschwerden zurückbleiben. Diese Tatsache ist aus Sicht des Erkrankten und seiner Angehörigen von grosser Bedeutung. Eine Depression ist nicht zwangsweise eine chronische, also wiederkehrende Erkrankung. Es besteht sogar eine gute Aussicht, dass es sich um ein einmaliges Erlebnis handelt. Eine depressive Phase kann von sehr unterschiedlicher Länge sein. Grober Mittelwert ist eine Länge von 3 bis 12 Monaten. Es kommen jedoch auch wesentlich kürzere Phasen von einigen Stunden, Tagen oder Wochen vor.

Manisch-Depressive Phasen: Eine Depression nennt man so, wenn manische und depressive Phasen abwechselnd auftauchen. In der Fachsprache wird sie Zyklothymie genannt. Treten mehr als vier Phasen in einem Jahr auf, so spricht der Arzt von einem Rapid-cycling-Syndrom.

Dysthymie: Von dieser spricht man, wenn die Depression zwar chronisch ist, die dauerhafte Herabgestimmtheit jedoch nicht die Intensität der schweren Depression erreicht. Der Erkrankte ist zwar langfristig beeinträchtigt, kann jedoch in vielen Fällen noch ein weitgehend normales Leben führen und am Arbeitsleben teilnehmen.

Es gibt ausserdem noch einige Verlaufsformen, welche nach ihrem vermuteten Auslöser bestimmt sind, z.B. die saisonale, jahreszeitabhängige Depression. Es ist bekannt, dass in den Herbst und Wintermonaten gehäuft depressive Erkrankungen auftreten.


Wie entsteht eine Depression?

Anders als beim Beinbruch lässt sich eine Depression im Allgemeinen nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Meist sind verschiedene Faktoren beteiligt, die erst im Zusammenspiel eine Depression entstehen lassen. Vereinfacht lässt sich sagen, dass es innere und äussere Umstände gibt, deren Vorhandensein einen Menschen erkranken lassen.

Um das Zusammenwirken dieser Faktoren zu verstehen, muss man wissen, wie sich die Informationsweitergabe innerhalb unseres Gehirns abspielt. Die einzelnen Nervenzellen, die unseren Körper durchziehen und aus denen unser Gehirn besteht, tauschen untereinander Informationen aus. Dabei können diese Informationen als Sinneseindrücke registriert werden, z.B. als Anblick eines Bildes oder als Hören von Musik. Es kann sich aber auch um Gefühle oder Gedanken handeln. Die Weitergabe solcher Informationen zwischen einzelnen Zellen des Gehirns findet durch die Ausschüttung von Botenstoffen statt, den so genannten Neurotransmittern.
Nach der neuen Wissenschaft kommt es während einer Depression zu einer Störung dieses Stoffwechsels im Gehirn. Vor allem bestimmte Botenstoffe, das Serotonin und das Noradrenalin sind aus der Balance geraten. Durch diese Stoffwechselstörung sinkt die Fähigkeit, Empfindungen wie Freude und Zufriedenheit zu verspüren; negative Gefühle werden übermächtig.
In der Medizin ist umstritten, was blosse Rahmenbedingungen und was eigentliche Krankheitsursache ist. Je nach Sichtweise kann man annehmen, dass Veränderungen des Stoffwechsels im Gehirn lediglich eine Begleiterscheinung der krankmachenden Lebensprobleme sind. Anderseits lässt sich natürlich auch sagen, dass alle Menschen in ihrem Leben Verluste und Trennungen erleiden oder Phasen der Überbelastung durchstehen müssen, aber nur wenige daraufhin an einer Depression erkranken.
Ausserdem gibt es Menschen, die an einer Depression erkranken, die eigentlich gar keine Probleme haben. Bei ihnen kommt es ohne jeglichen Anlass zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn.
Wichtig ist vor allem eins: Bei einer Depression spielen körperliche und seelische Faktoren eine Rolle. Eine sinnvolle Therapie gewichtet diese Faktoren individuell und stellt die Behandlungsformen auf den jeweiligen Schwerpunkt des Einzelfalles ab.


Wie wird eine Depression behandelt?

Für den Erkrankten ist bei der Behandlung vor allem eines wichtig: Eine Depression kann vom Arzt vielfach mit grossem Erfolg behandelt werden. Dabei kommen im Wesentlichen zwei Behandlungsformen zum Einsatz, die Therapie mit Arzneimitteln und die Psychotherapie.

Therapie mit Arzneimittel-/Psychopharmakotherapie:
Medikamente, die eine psychische, z.B. stimmungsaufhellende Wirkung entfalten, nennt man Psychopharmaka. Im Fall einer Depression wird dir der Arzt Medikamente verschreiben, die Antidepressiva heissen. Diese Medikamente wirken auf den Stoffwechsel im Zentralen Nervensystem, dem Gehirn.
Eine andere Gruppe sind die Benzodiazepine. Diese Medikamente werden manchmal begleitend für einige Tage bis Wochen eingesetzt, um die Angst zu lindern, die bei einer Depression oft begleitend auftritt. Sie lindern die akuten Beschwerden, haben aber keine dauernde antidepressive Wirkung. Da bei ihnen eine grosse Suchtgefahr besteht, sollten sie nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.

Verzögerte Wirkung von Antidepressiva:
Wichtig zu wissen ist, dass Antidepressiva ihre antidepressive Wirkung nicht sofort entfalten; im Allgemeinen dauert es zwei bis drei Wochen, bis sich die Wirkung zeigt. Wenn du also Antidepressiva nimmst, sei nicht enttäuscht, wenn die Wirkung nicht sofort auftritt. In einem Zeitraum von zwei bis drei Wochen wird sich eine aufhellende Wirkung einstellen. Darum setze die Medikamente nicht zu früh ab.

Nebenwirkungen von Antidepressiva:
Antidepressiva können wie alle Medikamente auch unerwünschte Effekte besitzen. Die Nebenwirkungen treten oft zu Beginn der Behandlung auf und verringern sich im Verlaufe der Therapie oder verschwinden ganz. Sie lassen sich im Allgemeinen nicht vorhersagen, sondern treten in unterschiedlichen Formen wie Übelkeit, Erbrechen, Gewichtszunahme, Libidoverlust oder Verstopfung auf.
Informiere deinen Arzt über die Nebenwirkungen, so besteht die Möglichkeit, diese über eine Veränderung der Dosis oder über einen Medikamentwechsel zu reduzieren.

Dauer der Behandlung:
Die regelmässige, verordnete Einnahme der Dosis ist eine Grundvoraussetzung für die Genesung. Auch nach der Besserung sollte das Medikament weiter eingenommen werden, um einem Rückfall vorzubeugen. Kommt es immer wieder zu depressiven oder depressiv-manischen Phasen, so ist eine dauerhafte Behandlung mit einem Antidepressivum oder einem Lithiumpräparat notwendig.

Psychotherapie:
Psychotherapie bedeutet Heilung der Seele. Heute versteht man darunter die Behandlung seelischer Erkrankungen durch Gespräche und Übungen mit einem Therapeuten oder einer Therapeutin.
Was es alles für Richtungen und Arten der Psychotherapie gibt, findest du unter: Erste Hilfe: Therapie

Depression und Suizidalität:
Viele Depressive fühlen sich nutzlos und schämen sich. Dabei entwickeln sie häufig ein Gefühl der eigenen Wert- und Nutzlosigkeit. Sie sehen in ihrem Leben keinen Sinn mehr und wünschen sich häufig, dass sie einfach nicht mehr existieren.
Die Selbstmordgefahr ist eine häufige Begleiterscheinung der Depression. Sie ist ein hohes Risiko für den Patienten.
Es ist daher bei jedem Depressiven wichtig zu wissen, wie gross das Suizidrisiko ist. Man kann dies am besten dadurch abschätzen versuchen, indem man den Betroffenen direkt darauf anspricht wie intensiv und häufig er an Suizid denkt. Es wurde lange Zeit die Meinung vertreten, man solle Depressive nicht über dieses Thema sprechen, weil man sie dadurch erst auf die Idee bringen könnte, an Suizid zu denken. Dies ist grundfalsch, weil jeder Depressive zumindest an die Möglichkeit denkt und er in der Regel Erleichterung verspürt, wenn er darüber reden kann.
Weiter Hinweise, um die Gefahr abschätzen zu können, erhält man, indem man dem Betroffenen fragt, ob er generell an die Möglichkeit des Suizids denkt oder ob er schon konkrete Vorstellungen habe, wie er es tun könnte. Je konkreter die Vorstellungen sind, desto grösser das Risiko. Das Risiko ist noch grösser wenn der Betroffene schon Vorbereitungen getroffen hat, also beispielsweise Schlaftabletten gehortet hat oder sich einen Strick gekauft.

Prof. Erwin Ringel hat 3 wichtige Anzeichen beschrieben, die auf eine besondere Neigung zum Suizid hinweisen.

1. Die Einengung:
Der Betroffene fühlt sich in einer eingeengten Situation, aus der er schwer heraus kommt. Er beschäftigt sich auch gedanklich immer wieder mit der Problematik und erfährt auch zwischenmenschlich eine Einengung, indem er sich zusehends isoliert und vereinsamt.

2. Die Aggressionsumkehr:
Sie besteht darin, dass Menschen, die unter Aggressionen leiden und diese aus verschiedenen Gründen nicht ausleben oder diskutieren können, die gehemmten Aggressionen dann gegen sich richten.


3. Die Todesphantasien:
Suizidgefährdete Menschen beschäftigen sich in ihren Gedanken mit den verschiedenen Möglichkeiten, sich das Leben zu nehmen oder stellen sich auch vor, wie die Angehörigen trauern würden, wenn sie einmal tot sind. Sie können sich auch über das eigene Begräbnis Vorstellungen machen. Bestehen derartige Todesphantasien, ist es wichtig danach zu fragen, ob diese Phantasien bewusst herbeigeführt werden oder ob sie sich ungewollt aufdrängen. Je mehr sich diese Ideen aufdrängen, umso grösser ist das Risiko

Es ist äusserst wichtig, dass suizidgefährdete Menschen, rasch einer ärztlichen Behandlung zugeführt werden, denn man kann nicht nur die depressive Stimmung, sondern auch spezielle die Suizidgedanken oder Absichten behandeln.


Was können Angehörige und Freunde tun?
Wie du jemandem helfen kannst, der an einer Depression erkrankt ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Familie und Freundeskreis eines Erkrankten stehen oft vor einer schwierigen Situation. Das Erscheinungsbild einer psychischen Erkrankung ist vielen Menschen unbekannt und löst - besonders, wenn die Erkrankung schwer ist - Unsicherheiten oder sogar Ablehnung aus.

Beteilige dich daher an der Aufklärung über Erkrankungen, sprich mit Freunden und Bekannten über Depression. Versuche nicht, dem Betroffenen klar zu machen, dass sein Leben doch gar nicht so schlimm sei oder dass es andere Menschen gäbe, denen es viel schlechter ginge. Solche, oft gut gemeinten Aufmunterungsversuche bestärken in einem Depressiven das Gefühl, versagt zu haben und sein Leben nicht meistern zu können.

Hier noch ein paar Tipps:

  • Regelmässigkeit der therapeutischen Massnahmen:
    Wenn du mit jemandem zusammenlebst, der an einer Depression erkrankt ist, achte darauf, dass er regelmässig seine Medikamente nimmt und die Termine beim Arzt wahrnimmt. Dies bedeutet nicht, dass du ihm nachspionieren oder ihn bevormunden sollst. Wer an einer Depression erkrankt ist, neigt jedoch dazu, nicht an seine Heilung zu glauben, und empfindet unter Umständen bereits das Wahrnehmen von Arztterminen als grosse Belastung. Hier kannst du einfühlsame Hilfestellung leisten.
  • Selbstmordrisiko:
    Eine Depression wird immer von einem grossen Selbstmordrisiko begleitet. Nimm die entsprechenden Andeutungen ernst. Oft wird ein Selbstmordversuch angekündigt. Versuch nicht, dem Depressiven die Idee des Selbstmordes auszureden. Gib ihm Gelegenheit, sich auszusprechen. Benachrichtige den behandelnden Arzt, wenn du nicht mehr weiter weißt. (siehe auch Depression und Suizidalität)
  • Gestaltung des Tagesablaufes:
    Einem Depressiven fällt es schwer, sich zu irgendwelchen Aktivitäten aufzuraffen. Bereits das Aufstehen oder Anziehen stellen grosse Hürden dar. Hier kannst du Hilfe leisten, indem du den Erkrankten dabei unterstützt, zu einem geregelten Tagesablauf zu finden. Eine Möglichkeit besteht darin, eine feste Zeit für einen gemeinsamen Spaziergang zu verabreden.
  • Keine Überforderung:
    Eine wichtige Regel bei der Unterstützung eines Depressiven besteht darin, Überforderung zu vermeiden. Gerade am Anfang der Erkrankung muss der Betroffene auch lernen, sich fallen lassen zu können und seine Antriebsarmut zu akzeptieren.
  • Überfordere dich nicht!
    Vorsicht ist nicht nur bei einer Überforderung des Erkrankten geboten, sondern auch bei einer Überlastung deiner selbst.
    Wer einem psychisch kranken Freund zur Seite stehen will, sollte sich über die möglichen Belastungen im Klaren sein. Das Gespräch mit einem Menschen, der an einer Depression leidet, dreht sich oft nur um die Erkrankung selbst. Dies kann eine Belastung für den Freund oder den Angehörigen darstellen, die nicht zu unterschätzen ist. Wer einem Erkrankten helfen will, darf von sich nicht zuviel verlangen. Schaffe dir Freiräume, in denen du andere Aktivitäten machen kannst. Es besteht auch die Möglichkeit, das Gespräch mit Angehörigen in einer Angehörigengruppe zu suchen.

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Hildegard      
     
  © Zürcher Aids-Hilfe 2004. Quelle: Medecine-worldwide