Fragen und Antworten auf die häufigsten Fragen zur Homosexualität
Was bedeutet sexuelle Orientierung?
Die sexuelle Orientierung ist eine von 4 Komponenten der sexuellen Identität.
Man versteht darunter eine langfristige emotionale und sexuelle Anziehungskraft
bzw. die Zuneigung zu Partnerinnen/Partnern eines bestimmten Geschlechts.
Die vier Komponenten der sexuellen Identität sind:
- das biologische Geschlecht
- die Geschlechtsidentität (d.h., ob man sich als Mann oder als Frau
fühlt)
- die Geschlechterrolle (die, abhängig von kulturell bedingten Normen,
männlichen oder weiblichen Verhaltensmuster)
- die sexuelle Orientierung
Man unterscheidet gewöhnlich drei verschiedene sexuelle Orientierungen:
- homosexuell - wenn von Personen des eigenen Geschlechts angezogen
- heterosexuell - wenn von Personen des anderen Geschlechts angezogen
- bisexuell - wenn von Personen beider Geschlechter angezogen
Personen mit homosexueller Orientierung werden häufig als schwul bzw.
lesbisch bezeichnet.
Die sexuelle Orientierung kann sich von der gelebten Sexualität unterscheiden,
weil sie sich auf Gefühle und das innere Konzept eines Menschen beziehen.
Eine Person kann, muss aber nicht, ihre sexuelle Orientierung in ihrem Verhalten
ausdrücken.
Wie entsteht eine bestimmte sexuelle Orientierung?
Wie eine bestimmte sexuelle Orientierung entsteht, ist bis heute nicht schlüssig
geklärt. In den verschiedenen Theorien werden unterschiedliche Faktoren
genannt, z.B. genetische (angeborene) hormonelle Faktoren oder Erfahrungen im
frühen Kindesalter.
Wie auch immer - viele Wissenschaftler glauben, dass die sexuelle Orientierung
bereits im frühesten Kindesalter definitiv festgelegt ist und auf einem
komplexen Zusammenspiel einer ganzen Reihe biologischer, psychischer und sozialer
Faktoren beruht.
Ist die sexuelle Orientierung gewählt?
Nein
Die sexuelle Orientierung wird den meisten Menschen in der frühen Pubertät
bewusst, in der Regel lange vor der ersten sexuellen Erfahrung. Manche berichten,
dass sie ihre Orientierung erfolglos während vieler Jahre von homosexuell
zu heterosexuell zu ändern versuchten. Die meisten Psychologen und Psychiater
sind der Meinung, dass die sexuelle Orientierung keine "bewusste Wahl"
ist und folglich auch nicht willentlich geändert werden kann.
Ist Homosexualität eine Geisteskrankheit oder ein psychisches
Problem?
Weder noch
Soziologen, Psychologen und Sexualpädagogen sind sich einig, dass Homosexualität
weder eine Krankheit, eine Geisteskrankheit noch per se ein psychisches Problem
ist. Die Forschung hat beschrieben, dass Homosexualität an sich nicht zu
emotionalen oder sozialen Problemen führt. Es kommt aber häufig vor,
dass durch das Unverständnis ihrer Umgebung viele Schwule und Lesben an
massiven psychischen und/oder sozialen Problemen leiden.
Die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft strich 1973 Homosexualität
aus der offiziellen Liste der Geisteskrankheiten.
1992 hat die letzte wichtige Institution, die WHO, Homosexualität aus der
Liste der Krankheiten gestrichen.
Können Schwule und Lesben gute Eltern sein?
Ja
In Studien wurden Kinder, die von Schwulen oder Lesben aufgezogen werden, mit
Kindern verglichen, die von heterosexuellen Eltern aufgezogen werden. Man konnte
keine Unterschiede bezüglich Intelligenz, psychischer Entwicklung, Sozialverhalten,
Beziehung zu anderen Kindern, Entwicklung der sexuellen Identität oder
Orientierung feststellen.
Eine weitere Stereotypie über Schwule ist die falsche Behauptung, dass
schwule Männer die Neigung hätten, häufiger Kinder zu missbrauchen
als heterosexuelle Männer. Diese Behauptung ist ausschliesslich diskriminierend
und beruht nicht auf wissenschaftlichen Untersuchungen.
Warum erzählen Schwule anderen Leuten von ihrer sexuellen
Orientierung?
Es ist für die psychische Gesundheit wichtig, diesen Aspekt des Lebens
mit anderen zu teilen. Der Prozess der Identitätsfindung - wozu auch das
Coming-out gehört - ist für das psychische Gleichgewicht sehr wichtig.
Je positiver die eigene schwule Identität empfunden wird, desto besser
ist die psychische Gesundheit und desto höher die Selbstachtung.
Warum ist das Coming-out für manche Schwule und Lesben
schwierig?
Weil ihnen oft falsche Stereotypen und unerwiesene Vorurteile entgegengebracht
werden, kann das Coming-out für Schwule und Lesben zu einem sehr schwierigen
und schmerzlichen Prozess werden. Schwule und Lesben fühlen sich oft anders
und alleine, wenn sie sich das erste Mal ihrer gleichgeschlechtlichen Neigung
bewusst werden. Viele fürchten, von der Familie, von Freunden und Arbeitskollegen
zurückgewiesen zu werden, wenn sie sich als homosexuell zu erkennen geben.
Zudem sind Homosexuelle häufig Opfer von Diskriminierung und Gewalt durch
Mitmenschen. Diese Bedrohung behindert die schwule oder lesbische Entwicklung.
Die Studie "Santé Gaie" aus Genf ergab, dass über 50%
der Schwulen in ihrem Leben schon einmal psychische oder physische Gewalt erlebt
haben.
Wie kann man Schwulen und Lesben helfen, Vorurteile und Diskriminierung zu
überwinden?
Eine positive Einstellung zu Schwulen und Lesben haben jene Leute, die selber
homosexuelle Personen kennen. Darum gehen Fachleute davon aus, dass eine schlechte
Meinung eher auf Vorurteilen und nicht auf eigenen Erfahrungen mit Schwulen
oder Lesben beruht.
Anders ausgedrückt: Je mehr Schwule und Lesben jemand kennt und je mehr
er/sie über Homosexualität weiss, desto positiver ist er/sie ihnen
gegenüber eingestellt.
Kann eine Therapie die sexuelle Orientierung ändern?
Nein
Auch wenn Homosexualität keine Krankheit ist und kein wissenschaftlicher
Grund besteht, Homosexuelle umzupolen, kommt es immer wieder vor, dass jemand
die eigene sexuelle Orientierung oder diejenige eines anderen Menschen ändern
möchte. Es gibt leider Therapeuten, die dazu Therapien anbieten und auch
über Erfolge berichten.
Genauere Untersuchungen solcher Erfolge wecken erhebliche Zweifel an deren Richtigkeit.
Selten stammen die Erfolgsmeldungen von ausgebildeten Fachpersonen, sondern
eher von Organisationen, die aufgrund ihrer Ideologie die sexuelle Orientierung
von homosexuell auf heterosexuell umpolen wollen. Behandlung und Ergebnis sind
kaum dokumentiert, und die Zeit, in welcher die "erfolgreich Behandelten"
nachkontrolliert werden, ist viel zu kurz.
1990 hat die Amerikanische Psychologische Gesellschaft festgehalten, dass kein
wissenschaftlicher Beweis für eine erfolgreiche Therapie besteht. Im Gegenteil,
eine Therapie mit dieser Ausrichtung bewirkt mehr Unheil als Heil.
Die wenigsten Schwulen und Lesben, die sich in eine Therapie begeben, wollen
ihre sexuelle Orientierung ändern. Sie suchen vielmehr Hilfe bei bestimmten
Fragen, wie alle anderen Klienten auch. Manche brauchen psychologische Unterstützung
beim Coming-out, andere beim besseren Umgang mit Diskriminierung und Vorurteilen,
um nur zwei Beispiele zu nennen.
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