Schwule von der Antike bis heute
Homosexualität hat es schon immer gegeben. Die Geschichte der Homosexuellen
ist aber mit wenigen Ausnahmen eine Geschichte der Unterdrückung, Ausgrenzung
und Verfolgung. Erst im Zuge der Aufklärung begannen sich im 19. Jahrhundert
die ersten Schwulen und Lesben für ihr Recht zu wehren.
Antike (ab ca. 200 v. Chr.)
Bei den alten Griechen galt die zeitweise Beziehung zwischen Mann und Jüngling
als reinste Form der Sexualität. Beziehungen unter erwachsenen Männern
aber war sehr verpönt. Die römische Kultur kannte dagegen offen gelebte
gleichgeschlechtliche Beziehungen.
Mittelalter (ab ca. 500 n. Chr.)
Mit der Ausbreitung des Christentums brachen für Homosexuelle finstere
Zeiten an. Ihnen drohte die Verbrennung, teilweise mit vorheriger Tötung
als "Gnadenakt".
Ab 1700
Die Aufklärung brachte eine Lockerung und in der Folge der französischen
Revolution von 1797 wurde die Homosexualität in weiten Teilen Europas straffrei.
Der Straftatbestand fehlte beispielsweise im Strafgesetzbuch der Helvetik (1798-1802).
Die meisten Deutschschweizer Kantone führten die Strafbarkeit aber wieder
ein und verhängten mehrjährige Zuchthausstrafen.
19. Jahrhundert
Die Medizin begann Homosexualität als Phänomen zu untersuchen. Sie
unterschied zwischen "Anlage bedingter" und "unechter" Homosexualität.
Homosexuelle wurden zu Objekten der Psychiatrie. In der Schweiz werden Hunderte
von Schwulen in Irrenhäuser gesperrt. Dutzende wurden kastriert, offiziell
"freiwillig", doch zum Teil war die Kastration Voraussetzung für
eine Entlassung aus der Anstalt.
Die 1930er Jahre
In der Schweiz wurden die ersten Organisationen für Lesben und Schwule
gegründet.
1933-1945
Schwulenverfolgung und -vernichtung fanden durch die Nazis in Deutschland statt.
10000 - 20000 Schwule starben in Konzentrationslagern, tausende wurden kastriert.
In Konzentrationslagern wurden Schwule mit dem "rosa Winkel" markiert.
Die 1940er Jahre
Angesichts der Verfolgung der Schwulen in Deutschland und in den besetzten Gebieten
wurde Zürich zur europäischen Schwulenmetropole. Karl Meier gab mit
wachsendem Erfolg die Zeitschrift "Der Kreis" für Abonnenten
aus ganz Europa heraus.
Januar 1942
Das schweizerische Strafgesetzbuch trat in Kraft. Homosexuelle Handlungen unter
Erwachsenen wurden damit in der ganzen Schweiz straffrei.
27. Juni 1969
Eine Polizei-Razzia in der schwulen Bar Stonewall an der Christopher Street
in New York führte zur Gegenwehr der anwesenden Schwulen und schliesslich
zu einem Krawall. Dieser steht für den Beginn der neuen Schwulen- und Lesbenbewegung
und wird unter dem Namen CSD (Christopher Street Day) und "Gay Pride"
jährlich in vielen Städten auf der ganzen Welt gefeiert.
1971
Die homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich HAZ wurden gegründet. In der
Folge entstanden in weiteren Regionen homosexuelle Arbeitsgruppen.
1978
In Zürich fand der erste CSD in der Schweiz statt.
1989
Als erstes Land der Welt führte Dänemark eine registrierte Partnerschaft
für gleichgeschlechtliche Paare ein.
1989
Die Lesbenorganisation LOS wurde gegründet.
1990
Die Weltgesundheitsorganisation WHO strich Homosexualität aus dem Krankheitsregister.
1992
Das revidierte Strafgesetzbuch trat in Kraft. Damit waren die letzten Spezialbestimmungen
für Schwule und Lesben vom Tisch. Namentlich verschwanden die Ausdrücke
"widernatürlich" und "Unzucht" aus dem Schweizer Recht
und das Schutzalter für gleichgeschlechtliche Beziehungen war nun ebenfalls
16 Jahre (statt wie bisher 20 Jahre).
1993
Die Schweizerische Schwulenorganisation Pink Cross wurde gegründet.
1995
Die Petition "Gleiche Rechte für lesbische und schwule Partnerschaften"
wurde eingereicht.
2000
Die neue Bundesverfassung trat in Kraft. Sie schützte vor Diskriminierung
aufgrund von Lebensformen, womit gemäss parlamentarischer Beratungen ausdrücklich
auch Homosexualität gemeint war.
2000
Als erstes Land der Welt öffneten die Niederlande die Ehe für gleichgeschlechtliche
Paare und schufen Gleichberechtigung auch im Bereich Adoption.
2001
Im Kanton Genf trat ein Gesetz über die registrierte Partnerschaft in Kraft,
das erstmals in der Schweiz gleichgeschlechtlichen Paaren amtliche Anerkennung
brachte.
2003
Auch in Zürich trat ein kantonales Partnerschaftsgesetz in Kraft, das gleichgeschlechtlichen
Paaren im Zuständigkeitsbereich des Kantons gleiche Rechte wie Heteropaaren
zusicherte.
2004
Im Juni 2004 hatte die Bundesversammlung das Bundesgesetz über die eingetragene
Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare verabschiedet. Bei Redaktionsschluss
wird eine allfällige Volksabstimmung aufgrund eines möglichen Referendums
für 2005 und das Inkrafttreten für spätestens 2006 erwartet.
|